KSV-LiLi unterstützt die Demonstration gegen die sog. "Väterrechtsbewegung" am 12. Juni 2010.
Im folgenden der Aufruftext von http://goodnightdaddyspride.blogsport.de/:
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Die stärkste Ausprägung der Männerrechtsbewegung, die seit langem vor allem in den USA, Kanada, Australien, Großbritannien oder Frankreich durch spektakuläre Aktionen oder militantes Auftreten gegen Richter*innen, Feministinnen oder Politiker*innen für Aufsehen sorgt, ist die sogenannte „Väterrechtsbewegung“. Insbesondere durch die „verweiblichte“ Justiz fühlen sie sich benachteiligt und als „Zahlväter“ missbraucht. Wir rufen dazu auf, dieser reaktionären Bewegung entschlossen entgegenzutreten! Am 12. Juni wollen Vertreter[1] dieser zutiefst frauen- und auch kinderfeindlichen Gruppierungen im Rahmen einer europaweiten Daddy’s Pride in Wien auf die Straße gehen um ihre antifeministischen Forderungen kundzutun.Neue Männer? Die meisten der in Österreich aktiven Männer- bzw. Väterrechtsbewegten behaupten, für die „wahre Gleichberechtigung“, sprich die „natürliche Verteilung von Macht“ zwischen Mann und Frau einzutreten. Diese Männer beharren auf ihrer biologischen Rolle als Väter und geben vor, sich aktiv in der Kindererziehung einbringen zu wollen statt sich für den Ausbau der Väterkarenz, bessere Kinderbetreuungseinrichtungen etc. einzusetzen. Sie begründen ihre eigene Wichtigkeit als Väter u.a. mit Argumenten wie: „Kinder sollen nicht den Müttern und Lehrerinnen überlassen werden“. Die Folge wäre eine völlige Abwesenheit von männlichen Vorbildern und weiter eine „Verweichlichung“ der Burschen. Durch diese „väter- und männerlose“ Erziehung würden Kinder drogensüchtig, kriminell, selbstmordgefährdet. Männer hätten deswegen generell eine sehr niedrige Lebenserwartung. Weiters käme es zu einer systematischen Benachteiligung von Burschen im Schulsystem und einem dadurch bedingten größeren männlichen Versagen in Ausbildung und Karriere. Ausgeklammert wird hingegen, dass Männer in Führungspositionen allgemein und auch im Hochschulsystem überrepräsentiert sind oder nach wie vor um ca. 1/3 mehr verdienen als Frauen – bei schlechterer oder gleicher Qualifikation. Kratzt mensch an der Oberfläche der Väterrechtsbewegung, wird bald erkennbar, unter welchem Deckmantel die Maskulisten arbeiten: Sexismus, Antifeminismus, Homophobie, Biologismus und vor allem enorme finanzielle Interessen sind Kernelemente ihrer reaktionären Politiken. Diese „neuen“ Männer können und wollen sich nicht Konzepte jenseits der klassischen heterosexistischen Norm vorstellen. Dass Kindererziehung mehr beinhalten könnte als mit den Jungs an Wochenenden Fußball und den Mädchen Puppen zu spielen, als Mann ein heldenhaftes Vorbild in Tapferkeit und Stärke zu sein oder biologistische Vorurteile zu schüren, kommt den Vätern nicht in den Sinn. Hinter diesen „neuen“ Männer steht das alte Patriarchat! Väterrechtler oder Rechte Väter? Websites wie „Vater Verbot“ versuchen, sich als in der gesellschaftlichen Mitte stehend zu verkaufen. Tatsächlich finden sie Zuspruch in sämtlichen Parteien und auch im linken Spektrum. In Wien sind sie mittlerweile soweit gegangen eine eigene Partei – die „Männerpartei“ – zu gründen. Papa, Opi und Hans Peter, nicht nur Väter, sondern Täter … „Vater Verbot“, „Trennungsopfer“ oder „Väter ohne Rechte“ sind Namen von einigen in Österreich aktiven Gruppierungen. Sie zelebrieren ihren Opferstatus und begründen ihre selbst gewählte Identität mit der angeblich vorherrschenden männerfeindlichen Gerichtspraxis im Familienrecht. Absurd werden ihre Positionen allerdings spätestens bei der These, dass Burschen und Männer genauso oft, wenn nicht gar öfter Opfer von „weiblicher Gewalt“ werden. Vorherrschende Gewaltverhältnisse und strukturelle Benachteiligungen von Mädchen und Frauen werden negiert, Realitäten einfach umgedeutet. Statistiken von Frauen- und Kinderschutzeinrichtungen belegen, dass es rund einmal im Monat in einer Familie in Wien zu einem Mordversuch oder Mord kommt, ca. 54% aller Morde werden im Familienkreis begangen, in 90% der Mordfälle sind Frauen und Kinder die Opfer – Tendenz steigend. Nach Schätzungen der Polizei werden in Österreich jährlich etwa 350 000 Frauen von ihren aktuellen und/oder ehemaligen Lebenspartnern oder Ehemännern misshandelt, die Dunkelziffer muss allerdings weitaus höher angenommen werden, da Gewalt gegen Frauen noch immer als „Kavaliersdelikt“ behandelt wird. Vor allem im ländlichen Raum gibt es wenig bis keine Handhabe gegen Gewalttäter (zu wenig Frauenhäuser, Stammtischseilschaften etc). Mit beschönigenden und romantisierenden Begriffen wie „Rosenkrieg“, „Eifersuchtsmord“ oder „Beziehungstat“ werden in Medien Gewalttaten umschrieben, die eine Mitschuld des Opfers suggerieren. Die Ermordung einer Frau ist oft nur der Gipfel jahrlanger Gewalt gegen sie und ihre Kinder. Morddrohungen, die vom gewalttätigen Mann ausgesprochen werden, werden meist als schlichte Drohung ohne ernstzunehmenden Charakter verstanden und der Schutz der Frau deshalb vernachlässigt – bis es zu spät ist. Väter, die diese Realität ausblenden und sich im maskulistischen Umkehrschluss selbst zum Opfer stilisieren, sind nicht nur gefährlich und potentielle Täter, sondern gehören entschieden auf allen Ebenen bekämpft! Väter sind keine Opfer! Eine genauere Betrachtung der Forderungen der Väterrechtler zeigt auch, dass die oft einkommensstarken Väter in erster Linie für eine Neuregelung der Unterhaltspflicht plädieren, um weniger Alimente für ihre Kinder zahlen zu müssen. Sie argumentieren vor allem mit abstrusen Behauptungen, dass Frauen sich auf Kosten der geschiedenen Väter in Luxus und Wohlstand wälzen und darüber hinaus über ihre dummen, brav zahlenden Ex-Männer lachen. Komisch, dass in der Armutsfalle dann erst recht wieder die alleinerziehenden Mütter landen! Den Vätern geht es nicht um den Kampf für ein Grundeinkommen oder die staatliche Zahlung unbezahlter Erziehungs- und Hausarbeit, sondern um die Verbesserung der finanziellen Lage der Männer auf Kosten ihrer Ex-Frauen und Kinder! Trotz dem Versuch der Unterhaltspflicht zu entgehen, behaupten die Väterrechtler, dass sie vermehrt an der Obsorge ihrer Kinder beteiligt sein wollen. Auch hier sehen sich die Väter erneut als Opfer von Wegweisungen, Betretungsverboten oder einstweiligen Verfügungen bei Gewalt gegen Frau und Kind. Des Weiteren sprechen sie von „unhaltbaren Vorwürfen“ in Bezug auf sämtlichen Formen väterlicher Gewalt. Kein Gott, kein Staat, kein Vatertag! Feuer und Flamme dem Patriachat! Herwig Baumgartner, ein „engagierter“ Vater, gegen den bereits Hausverbote an einigen Gerichten verhängt wurden, sitzt seit November 2009 wegen gefährlicher Drohung in U-Haft. Neben ihm wurden führende Mitglieder einiger Väterrechtsvereine (z.B. auch Edgar Neubacher von ARGE Familienschutz) von der Linzer Polizei Vorladungen geschickt, weil nach §246 „staatsfeindlichen Verbindung“ und §278b „terroristische Vereinigung“ gegen sie ermittelt wird. Das politische Ziel kann allerdings nicht die staatliche Kriminalisierung der Väterrechtler sein, sondern die Zerschlagung von Vater, Staat und Patriarchat!
Wir beziehen klar Position gegen Maskulisten und väterrechtsbewegte Männer. Wir wollen einen Umdenkprozess in Bezug auf Kinder und Erziehung anregen und das klassische Vater-Mutter-Kind Familienmodell abschaffen. Darüber hinaus wollen wir die Auflösung der traditionellen Geschlechterrollen. Anstelle des Beharrens auf vermeintlich natürliche „Väter“ und „Mütter“ Rollen könnte es beispielsweise mehrere gleichberechtigte Bezugspersonen für Kinder geben, die jenseits von Klischees agieren. Diese Bezugspersonen müssen kein biologisches Verhältnis zum Kind haben; wichtig ist dabei das Einverständnis aller Erziehungspersonen. Das könnte zu einer Entlastung aller Beteiligten der Kindererziehung und zu einer Aufhebung des heterosexistischen Familienmodells führen. Weiters müssten sämtliche Teile der Gesellschaft kinderfreundlicher und -offener werden, damit Kinder nicht mehr als „Familiensache“ oder „Privatsache“ gesehen werden. Kindererziehung geht uns alle an – Kinder sollen an Entscheidungsprozessen gleichberechtigt partizipieren können. Wir finden diese Forderungen wichtig, sind uns aber dessen bewusst, dass die Anerkennung „anderer“ Erziehungsformen oder Identitäten, in unserer kapitalistisch verfassten, auf Konkurrenz und Verwertbarkeit basierenden Gesellschaft, wiederrum zu Ausschluss und Unterdrückung führen. Denn wer sich nur um die Anerkennung solcher Identitätskonzepte bemüht, die bis jetzt ausgeschlossen wurden, dabei aber nicht die dahinterstehenden strukturellen Mechanismen in Frage stellt, verfestigt nur dieses Prinzip, das zum Ausschluss führt. Deshalb kämpfen wir für eine Gesellschaft, fern von Staat, Kapital und Patriarchat. Eine Gesellschaft in der keine*r Angst haben muss anders zu sein, ohne Zwang zur Identität und ohne die Frage nach „Finanzierbarkeit“.
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