Aus aktuellem Anlass hat sich im Rahmen der Audimax- Besetzung eine "Antisexismus - Arbeitsgruppe" gebildet.
"Feminismus ist eine gefährliche Ideologie - sie kann das Patriarchat und gewohnte Denkmuster zerstören."
Feministische Frauen, die ihre Kritik und Anliegen im Rahmen der sich zur Zeit wie Lauffeuer verbreiternden Studi- Proteste artikulieren, rufen regelmäßig allergisch- trotzige Reaktionen bei vielen Männern und Frauen hervor.
"Linke Politik ist feministisch oder sie ist nicht links"
Emanzipatorischer, fortschrittlicher, linker Protest ist gleichzeitig feministisch, oder er ist nicht fortschrittlich und links. Feministische und antisexistische Praxis sind aber generell unpopulär und nicht gerade ein Massenphänomen, nicht im Alltag und nicht im Audimax. Warum?
"Die Mehrheit will das nicht hören, Arne"
Eine mögliche Erklärung ist, dass es einfach unangenehm ist, mit dem Unterliegen der Frauen* konfrontiert zu werden. Für Frauen* unangenehm und für Männer* unbequem. Wer will schon hören von der Demütigung, Erniedrigung, vom Unterbrechen, vom Angrapschen? Das sind keine Held_innenstories und auch kein Entertainment. Das trägt nicht zu guter Stimmung bei, birgt keine spannenden Infos und motiviert ganz und gar nicht.
"Doch das Unterliegen der Frauen im herrschenden Gesellschaftssystem spricht nicht gegen die Frauen, sondern gegen das System."
Das Aufzuzeigen sollte eigentlich selbstverständlich sein, doch wird es letztlich mit Moralisierung, Männerfressen, Hysterie und Frigidität in Verbindung gebracht. "Kritik", wie sie nur gegen Frauen* verwendet wird.
Wir leben in diesem Gesellschaftssystem und wurden darin sozialisiert und davon geprägt. Doch den Protest, die Party, die Plena gestalten wir!
Wer sich nicht bewegt, spürt die Fesseln nicht - lasst uns die versteinerten Verhältnisse zum Tanzen bringen!
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Statement der Antisexismus- Arbeitsgruppe Uni Wien 26.10.09
Während der letzten Audimax – Besetzungstagen gab es zahlreiche sexistische Vorfälle und Übergriffe.
Beispiele gefällig?
- „Ausziehen“, „Schleich dich du Hure“, Buh – Rufe aus dem Plenum während (antisexistischen) Redebeiträgen von Frauen
- Sexistische Wortmeldungen am Mikrophon während und nach dem Plenum
- Nackte Männerkörper und Schwänze auf der Bühne
- Sexistische Wortmeldungen im Chat während dem Livestream
- Sexistische Angriffe gegen Frauen: „Ihr seid sogar zu schiach um euch zu missbrauchen“
- Sexisten auf der Bühne, bei Reden, als Musiker
- Sexuelle Übergriffe im Schlafsaal
- Sprüche zur sexuellen Verfügbarkeit von Frauen während der Besetzung, in Foren, im Chat,…zb.: „Ich habe gehört es gibt hier ein Puff“
- Vortragende am Podium sind ausschließlich männlich (Quote fordern aber selbst nicht einhalten??)
Solche Vorfälle zu verhindern liegt in unser aller Verantwortung.
Sexistische Übergriffe und Situationen sind Teil eines Gesellschaftssystems, in dem wir alle leben.
Dass es zu solchen auch während dieser Besetzung kommen kann, ist unser aller Problem. Solange es hier ein allgemeines Desinteresse für antisexistische Themen gibt, solange Menschen nicht eingreifen, wenn sexistische Aussagen getätigt werden und Übergriffe geschehen, wird hier der gesellschaftliche Normalzustand reproduziert.
Frauen* und Männer*, denen ein antisexistischer Raum wichtig ist, finden diesen Zustand unerträglich und können oder wollen sich daher nicht (mehr) oder nur teilweise an der Besetzung beteiligen.
Viele Frauen fühlen sich vor allem in der Nacht unwohl und empfinden den „Freiraum Uni“ nicht als ausreichenden Schutzraum vor sexuellen Übergriffen.
Sexistischer Umgang ist Ausschlussmechanismus! Eine breite Protestbewegung wird damit unmöglich!
Daher fordern wir alle Besetzer_innen auf, sich am Aufbau und Erhalt eines antisexistischen Raumes „Universität“ zu beteiligen.
Wir fordern:
- Keine Akzeptanz von sexistischen Wortmeldungen am Podium!
- Starkes Eingreifen von Allen bei sexistischen Übergriffen und Vorfällen!
- Keine Diskussionen mit übergriffigen Typen, sondern Rauswurf!
- Mindestens 50% Frauen bei Vorträgen, auf Podien, bei Diskussionsbeiträgen,…!
- Mindestens 50% der Redezeit am Podium/ im Plenum für Frauen
- Respektvoller Umgang miteinander!
- Ein Frauenraum als Rückzugsraum, Schlafraum, Diskussionsraum,…
- Geschlechtersensible Sprache bei Plakaten, Aushängen, Aussendungen,…
Eine freie Uni für Alle heißt vor allem auch einen Freiraum zu schaffen in dem (Hetero-)Sexismus, Transphobie, Homophobie, Antisemitismus, Rassismus,… KEINEN Platz haben!
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