Zuckerbrot und Peitsche

Montag, 15. Juni 2009 @ 11:01

Unibudget und Drittmittelfinanzierung

Das Universitätsgesetz 2002 entließ die Unis in die „Autonomie“. Damit verbunden: Die Unis bekommen die Kohle vom Ministerium, dieses errechnet ein Gesamtbudget, dass jeder einzelnen Universität zugewiesen wird. Allerdings: Nur 80% werden fix ausgezahlt, 20% über ein „Formelbudget“ (komplizierter mathematischer Vorgang), das Zuckerbrot und Peitsche zugleich darstellt.

So wird die Aufstockung/Senkung des Budgets für die jeweilige Uni von klaren Bedingungen, die ausschließlich in Formeln verschriftlicht sind, abhängig gemacht. Beispiele hierfür sind: Je mehr und schnellere Abschlüsse, umso mehr Kohle. Umso mehr Nennungen von WissenschafterInnen in internationalen Journalen, umso mehr Kohle. Erhöhung des Frauenanteils an einer Universität, umso mehr Kohle - steigt diese allerdings über 60 %, schon geht die Finanzierung wieder runter. usw.
Das heißt konkret: Das Ministerium kann Mittel zurückhalten, wenn die Unis nicht spuren. Mehr Peitsche als Zuckerbrot also. Verlangt wird von den Unis in dieser Hinsicht auch, sich doch andere Finanzierungsquellen zu suchen: Drittmittel zur Finanzierung der Lehr- und Forschungstätigkeit. Das Aufstellen solcher Sponsoring- Einnahmen wird dann zusätzlich finanziell belohnt.

Daraus resultieren bisher unter anderen: Die Studienrichtung „Petroleum Engineering“ an der Montanuniversität Leoben - von der OMV finanziert. EADS, europäischer Rüstungskonzern (Eurofighter,...), sponsorte eine Professur für „Europäische Sicherheitspolitik“ an der Uni Innsbruck. Ob die „Wissenschaft und ihre Lehre“ noch frei sind? Solch hochtrabenden Fragen geht dann die Philosophie an der Uni Wien nach: Eine Vorlesung zu Corporate Social Responsibility (CSR) im Sommersemester 2008 stellte die „Grundfrage von Ethik und Wirtschaft“. Veranstalterin: Die Erste Bank.

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