Es kommt nicht auf die Drogen an sondern auf die Verhältnisse
Die Schlaftabletten werden der einen vom Arzt verschrieben, die andere kauft sie am Karlsplatz und lebt zwischen Aufstellen und Verchecken, Elend und Kriminal.
In Schlafmitteln wie Somnubene und Rohypnol wird Farbstoff gemischt, wenn diese für stärkere Wirkung gelutscht werden stigmatisieren sie so die Konsumierenden mit bläulich gefärbten Lippen.
Die Grenze zwischen legalen und illegalen Drogen ist willkürlich gezogen. Das Strafrecht spiegelt keine Einteilung in „gefährliche“ und „ungefährliche“ Drogen.
Auf einer Party kann schon mal eine Menge Bier und Schnaps die Kehle hinunterfließen, es wird toleriert, oft sogar erwartet. Von jemandem ohne sozialen Rückhalt, mit psychischen Problemen oder gar einer/m typischen AlkoholikerIn oder Obdachlosen getrunken, kann die gleiche Menge Alk zum Ausschluss führen und beitragen.
Lasst uns einmal nicht die Substanzen, sondern die Bedingungen für ihren Konsum anschauen.
Eine Droge wird gefährlich für die Konsumierenden, wenn sie in einem ungesicherten Umfeld und unter ungünstigen Bedingungen konsumiert wird. Es gibt keine Droge, die nicht unter geeigneten Verhältnissen problemlos konsumiert werden, toleriert oder sogar anerkannt werden könnte.
Ritalin, das Kindern mit „Aufmerksamkeitsdefizit“ verabreicht wird, wirkt wie der Ecstasy- Wirkstoff MDMA – es lässt das Gehirn Glücksstoffe ausschütten. Die Kinder drücken dann wieder ohne Zappeln die Schulbank. Wenn ihre Eltern die Tabs werfen verstoßen sie gegen das Betäubungsmittelgesetz.
Die wichtigste Trennung in Zusammenhang mit Drogen ist also die in gesellschaftlich anerkannten oder tolerierten und nicht anerkannten Konsum. Der sozial verträgliche Konsum wird als Gebrauch gesehen, der nicht kompatible als Missbrauch.
Zwei Drittel der Heroinentziehenden gehen einer geregelten Arbeit nach. Sichtbar sind jedoch nur verarmte und kranke Junkies, die allerlei Mischkonsum betreiben. In sensationsgierigen Reportagen wird ihr Elend ausgeweidet.
JedeR Zweite nimmt Psychopharmaka, doch sobald jemand in der Psychiatrie stationär behandelt wird, ist er/sie krank und rückt an den Rand der Gesellschaft.
Welche Funktion erfüllt diese Stigmatisierung?
Ist es ein Mittel der Zurichtung - wer aus der Norm fällt wird bestraft? Werden die, die keine Leistung erbringen bestraft? In der Dreigroschenoper heißt es, „Die im Dunkeln sieht man nicht“. So stimmt das nicht. Denn gerade dadurch, dass es die Elenden gibt, den Abschaum, die Anderen kann es ein „Wir“ geben und wird die Norm gefestigt. Diese Norm ist nicht strikt vorgegeben und doch verinnerlicht, sie reguliert unser Leben. Moral, Mode, Hygiene, Höflichkeit, abseits von Institutionen und Druck folgen wir der Norm doch oder streben danach, sie zu erfüllen. Wir Gesunden, wir Normalen, wir Jugendlichen - gegenüber den Kranken, den Abnormalen, den Wahnsinnigen, den Süchtigen. Mitleid und Abscheu liegen nah beieinander. Es gibt immer irgendjemanden dem/der es schlechter geht.
Welche Funktion erfüllt Prohibition?
Das Verbot bestimmter Substanzen hat immer politisch – gesellschaftliche Gründe, ist nie natürlich gewachsen. Die Drogenpolitik ist vor allem Repression und ihre Geschichte eine Reihe fehlgeschlagener Präventionsmaßnahmen. Anti- Drogen- Kampagnen und „Präventionsmaßnahmen“ bauen meist auf Abschreckung und Paranoia, Lügen und Übertreibungen. Natürlich sind die Maßnahmen zum Scheitern verurteilt, weil die Horrormeldungen durch den Gebrauch und Genuss vieler tagtäglich widerlegt werden. Wie soll irgendeine vernünftige Information über den Gebrauch von Drogen stattfinden, wenn Leichen und Totenköpfe auf Drogenbroschüren prangen und ein völlig falsches Bild von Konsum und Abhängigkeit gezeichnet wird?
Prohibition lässt Substanzen nicht verschwinden, sondern beeinflusst lediglich die Bedingungen unter denen sie konsumiert werden. Prohibition kriminalisiert einen großen Teil der Bevölkerung und fördert mafiösen Handel. Der „Kampf gegen Drogen“ nimmt sich als eine unendliche Beschlagnahmungsfarce aus, es wird beschlagnahmt und beschlagnahmt und der Bedarf sinkt dennoch nicht. Drogenoffensiven richten sich gegen ProduzentInnen, SchmugglerInnen, DealerInnen und NutzerInnen, bei deren Zuordnung die Grenzen fließend sind. Der Kampf wird militarisiert, die Propaganda dazu aggressiver.
Kein Kampf gegen Drogen, sondern ein Kampf gegen die Ungleichheit und die Ausbeutung, gegen Klassenunterschiede und Ausgrenzung ist notwendig. Wünschenswert ist eine Welt, in der jeder Mensch ein problemfreies Umfeld vorfindet in dem er/sie selbstbestimmt leben und genießen kann. Das klingt zu abstrakt? Es muss immer die auf der Sonnenseite und die im Dunkeln geben? Das glauben wir nicht, deshalb sind wir ja KommunistInnen.