Der US-Amerikanische Actionfilm "300" von Regisseur Zach Snyder wird seit einiger Zeit in den österreichischen Kinos ausgestrahlt. Die Verfilmung eines gleichnamigen Comics von Frank Miller erzählt die Geschichte der Schlacht bei der Thermophyle. Der spartanische König Leonidas gefolgt von 300 spartanischen und rund 1000 griechischen Kämpfern hielt die riesige Streitmacht des persischen Großkönigs Xerxes in einer engen Schlucht auf. Somit verschafften sie den restlichen griechischen Stadtstaaten die Möglichkeit zur Vorbereitung auf den persischen Angriff. Soviel zum historischen Hintergrund.

Der fast vollständig in der Blue-box gedrehte Film beginnt mit einer Einführung in die Lebensweise Spartas.
Die erste Szene zeigt die traditionelle Begutachtung der Kinder durch den Vater und erzählt die Aussonderung der Starken von den Schwachen, die zum sterben zurückgelassen werden. Es folgt die spartanische Erziehung zum Krieger und schließlich eine Mutprobe mit Überleben in der Wildnis. Die so zu "harten Männern" erzogenen Krieger sind im ganzen Film nur nackt oder mit Lendenschurz und nacktem Oberkörper zu sehen.
Nach einer halben Stunde der Einleitung und "Story" folgt der Kampf gegen das persische Heer. Der aus entstellten dunkelhäutigen Menschen und Ungeheuern bestehende Armee, geführt von einem offensichtlich homosexuellen Oberbösewicht Xerxes stellt sich der "Heldenhafte" und von einer Hand voll "arischen" muskelbepackten, Kämpfern begleitete Leonidas entgegen. Während seine Frau zuhause an der "Heimatfront" mit allen Mitteln versucht den spartanischen Rat von der Notwendigkeit eines Kriegseinsatzes zum Schutze der "Heimat" zu überzeugen, gelingt es dem persischen Heer durch den Verrat eines körperlich behinderten Spartaners das Kriegsglück der Spartaner zu wenden und schließlich alle (die auch offensichtlich körperlich schwächlichen Griechen sind natürlich schon längst geflohen) zu töten. Der König stirbt den Heldentod und der Rat billigt schließlich die Mobilisierung wodurch die persische Armee schließlich ganz aus dem Land getrieben wird.
Schon die Machart des Filmes und ihre Ästhetik kann nur als faschistisch bezeichnet werden. Die halbnackten Männerkörper im Sonnenuntergang, die fruchtbaren Felder und die fortwährende Gewaltverherrlichung sind in dieser Form wirklich ohne Gleichen. Dunkelhäutige Menschen, PerserInnen, Frauen, Homosexuelle und
behinderte Menschen werden im Film offensichtlich diskriminiert. Das Aufzählen jeder Diskriminierung würde den Rahmen sprengen, hier aber einige repräsentative Beispiele:
Frauen haben die Aufgabe starke männliche Nachkommen für künftige Kriegergenerationen zu gebären und fügen sich sonst auch dem traditionellen Frauenbild. Die Bemühungen des Regisseurs, die Königin als starke Frau darzustellen schlagen fehl und erinnern mehr an den BdM als an Mitbestimmung. Denn auch wenn die Königin stark und unabhängig erscheint, sieht sie wie alle anderen Frauen im Film, ihre wahre Pflicht im Kampf für das Wohl des Vaterlandes und im Gebären kriegerischer Söhne.
Die Tötung "unwerten" Lebens am Anfang des Filmes ist schockierend gestaltet. Die SeherInnen sollen sich am Ende des Filmes dennoch mit den heldenhaften SpartanerInnen identifizieren und sollen somit abschließend alle Werte des Filmes als positive zur Kenntnis nehmen.
Neben der ohnehin furchtbaren Machart und Grundaussage des Filmes kommen die derzeitige politische Situation im Iran und ein wahrscheinlich bevorstehender Angriff durch die USA erschwerend hinzu. Diese momentane Situation hilft auch den Film in einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Die Tatsache, dass gerade diese Geschichte über Jahrhunderte den Grund für das Überlegenheitsgefühl der europäischen gegenüber der persischen und später arabischen Welt darstellte ist ebenfalls sehr erschreckend.
Conclusio: Der Regisseur beteuert, dass keinerlei politische Aussage beabsichtigt war und lediglich ein Comic verfilmt wurde. Auch wenn dies wohl teilweise stimmen mag ist es wohl jedenfalls problematisch gerade in dieser Zeit einen solchen Film zu drehen. Zwar hätte die Vorlage wohl realistischer nicht verfilmt werden können, aber wenn es sich um so eine Vorlage handelt sollte sie erst gar nicht verfilmt werden. Alles in allem ein unglaubliches Machwerk, welches jedoch wie "Tal der Wölfe" gerade deswegen im Rahmen von Diskussionsveranstaltungen von kritisch denken Menschen gesehen werden sollte.
Adam Markus